Österreich investiert jährlich mehr als 4 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Ein unverhältnismäßig großer Anteil davon fließt über eine Handvoll Programme, die viele frühe Life-Science-Startups entweder nicht kennen oder falsch beantragen. Gründerinnen und Gründer, die das österreichische Fördersystem beherrschen — FFG-Projektförderungen mit aws-Darlehen kombinieren, über INiTS oder LISAvienna Glaubwürdigkeit aufbauen und Horizon-Europe-Anträge richtig timen — sind jenen, die sich ausschließlich auf Eigenkapital oder Risikokapital verlassen, systematisch überlegen. Diese Schritt-für-Schritt-Übersicht zeigt, was verfügbar ist, was jedes Programm tatsächlich fördert und wie man sie kombiniert.
Die österreichische Forschungsförderungslandschaft auf einen Blick
Das österreichische Fördersystem für Life-Science-Startups lässt sich in drei Ebenen gliedern, die sich inhaltlich ergänzen und finanziell kombinieren lassen:
- Bundesagenturen — FFG, FWF und aws: Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanziert angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte, der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) konzentriert sich auf Grundlagenforschung, und die Austria Wirtschaftsservice (aws) stellt zinsgünstige Darlehen sowie Eigenkapitalinstrumente bereit. Diese drei Agenturen bilden das Rückgrat der österreichischen Forschungsfinanzierung.
- EU-Programme — Horizon Europe, EIC und MSCA: Österreichische Startups können als Einzelunternehmen oder im Konsortium auf EU-Ebene Förderung beantragen. Der European Innovation Council (EIC) mit seinem Accelerator und Pathfinder-Programm ist die wichtigste Anlaufstelle für durchbruchsorientierte Deep-Tech-Startups. Die Enterprise Europe Network (EEN) Austria-Büros bieten kostenlose Beratung zur Antragstellung.
- Regionale und ökosystemische Unterstützung — INiTS, LISAvienna, Wirtschaftsagenturen: Auf dieser Ebene geht es weniger um direkte Geldmittel als um Netzwerkzugang, Mentoring, regulatorisches Know-how und Investorenkontakte. Programme wie INiTS oder LISAvienna erhöhen die Erfolgschancen bei FFG- und aws-Anträgen erheblich, weil sie Glaubwürdigkeit und Struktur vermitteln.
Der wichtigste strategische Grundsatz: Diese drei Ebenen schließen sich nicht gegenseitig aus. Ein Life-Science-Startup kann gleichzeitig FFG-Projektförderung erhalten, ein aws-Darlehen aufnehmen und am INiTS-Accelerator teilnehmen — sofern keine Doppelförderungsregeln verletzt werden. Die Kunst liegt in der richtigen Sequenzierung.
FFG — Forschungsförderungsgesellschaft
Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) ist für die meisten österreichischen Life-Science-Startups der erste und wichtigste Fördergeber. Drei Programme sind besonders relevant:
- FFG Basisprogramm: Das offenste Instrument — kein Pflichtpartner aus der Wissenschaft erforderlich, Einreichung jederzeit möglich, Förderquoten zwischen 25 und 55 % der förderfähigen Projektkosten. Typisches Fördervolumen für ein frühes Life-Science-Startup: 100.000–300.000 Euro. Das Basisprogramm eignet sich besonders für erste industrielle Forschungsprojekte mit klarem Anwendungsbezug.
- FFG COIN (Cooperation & Innovation): Dieses Programm fördert explizit die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Förderquoten von 40–70 % sind möglich, das Fördervolumen kann deutlich höher liegen. Voraussetzung ist ein akademischer Kooperationspartner — für Life-Science-Startups, die ohnedies Verbindungen zur Universität Wien, TU Graz oder MedUni Wien pflegen, ist COIN oft der attraktivste Einstieg.
- FFG Bridge: Ausgelegt auf den Transfer von Forschungsergebnissen aus Hochschulen in die Wirtschaft. Besonders relevant für universitäre Spin-offs, die bereits über Vorarbeiten aus der akademischen Forschung verfügen. Laufzeiten bis zu drei Jahren, Förderquoten bis 70 %.
Ein praktischer Hinweis, der selten explizit erwähnt wird: Kosten für den Zugang zu Forschungsinfrastruktur — darunter auch Gerätemieten über Plattformen wie LabWallio — sind in FFG-Projektbudgets als Sachkosten anrechenbar, sofern der Projektzusammenhang klar dokumentiert wird. Das bedeutet: Wer LabWallio-Sitzungen projektcodiert bucht und entsprechende Rechnungen vorlegt, kann diese Kosten in der FFG-Abrechnung geltend machen. Die Förderfähigkeit sollte in der Konzeptnotizphase mit der zuständigen FFG-Programmverantwortlichen abgeklärt werden.
aws — Austria Wirtschaftsservice
Die Austria Wirtschaftsservice (aws) ergänzt FFG-Projektförderungen mit Finanzierungsinstrumenten, die auf Unternehmensebene wirken — also nicht einzelne Forschungsprojekte, sondern das Startup als Ganzes stärken. Für Life-Science-Gründerinnen und -Gründer sind vier Instrumente besonders relevant:
- aws Pre-Founding Check: Ein kostenloser, strukturierter Beratungsservice, der innerhalb von 72 Stunden eine ehrliche Einschätzung der Förderfähigkeit und Gründungsreife liefert. Für jede Erstgründerin und jeden Erstgründer der logische erste Schritt — bevor man Zeit in FFG-Anträge oder Businesspläne investiert.
- aws Gründerfonds: Eigenkapitalbeteiligungen für innovative Startups in der Frühphase. Der Gründerfonds investiert typischerweise zwischen 200.000 und 1 Million Euro als Co-Investor neben privaten Business Angels oder Venture-Capital-Gesellschaften. Für Life-Science-Startups mit validiertem Proof-of-Concept ist dies der wichtigste aws-Kanal für Eigenkapital.
- aws Double Equity: Dieses Instrument verdoppelt privates Eigenkapital, das Startups von privaten Investoren eingeworben haben, durch eine aws-Beteiligung. Es setzt einen abgeschlossenen privaten Finanzierungsrunde voraus, ist dafür aber besonders kapitaleffizient.
- aws Innovationsschutzpaket: Finanzielle Unterstützung für Schutzrechte — Patente, Marken, Designs. Für Life-Science-Startups, deren Wert wesentlich auf IP basiert, ist dieser oft übersehene Service strategisch wertvoll. Die aws übernimmt einen Teil der Kosten für Patentanmeldungen in mehreren Ländern.
INiTS — Gründerzentrum für Deep-Tech-Startups
INiTS ist der universitäre Inkubator der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Medizinischen Universität Wien. Das 12-monatige Accelerator-Programm nimmt jährlich 20–30 Teams auf und konzentriert sich explizit auf Deep-Tech- und Life-Science-Gründungen.
Was INiTS von generischen Startup-Programmen unterscheidet, ist die inhaltliche Tiefe: Das Programm deckt nicht nur Business-Development und Fundraising ab, sondern auch regulatorische Anforderungen (CE-Kennzeichnung, MDR, klinische Studien), IP-Strategie und die spezifischen Herausforderungen des Life-Science-Marktzugangs. Teams, die INiTS durchlaufen haben, berichten regelmäßig, dass die Programmteilnahme ihre FFG- und aws-Anträge erheblich professionalisiert hat.
Praktisch bedeutsam ist auch die Laboranbindung: INiTS-Teams erhalten bevorzugten Zugang zu universitären Core-Facilities und Laborflächen — eine Ressource, die in der frühen Phase, wenn eigene Laborinfrastruktur noch nicht finanzierbar ist, kritisch sein kann. Die Ergänzung durch Laborgeräte-Sharing über LabWallio schließt dabei die Lücken, die auch universitäre Core-Facilities offen lassen: flexible Buchbarkeit, kurze Vorlaufzeiten und Zugang zu Geräten jenseits des Uni-Inventars.
LISAvienna — Der österreichische Life-Science-Cluster
LISAvienna ist das Life Science Austria-Netzwerk für Wien und zählt über 350 Mitgliedsorganisationen — von Startups über KMUs bis zu internationalen Konzernen wie Boehringer Ingelheim und Bayer. Als Mitglied profitiert man von:
- Kostenloser Förderungsberatung: LISAvienna-Beraterinnen und -Berater kennen das österreichische und europäische Förderungssystem aus der Praxis und helfen, den richtigen Antrag zum richtigen Zeitpunkt zu stellen.
- Investorennetzwerk: LISAvienna veranstaltet regelmäßig Investorenpräsentationen und Partnering-Events, bei denen Startups direkten Kontakt zu Life-Science-spezifischen VCs und Corporate-Development-Teams aufbauen können.
- CE/MDR-Unterstützung: Die regulatorischen Anforderungen für Medizinprodukte sind komplex. LISAvienna bietet Beratungsressourcen zur MDR-Compliance und CE-Kennzeichnung — eine erhebliche Entlastung für Startups, die keine eigene Regulatory-Affairs-Kapazität haben.
- Sichtbarkeit im internationalen Markt: LISAvienna repräsentiert österreichische Life-Science-Unternehmen bei internationalen Konferenzen wie BIO, JPM Healthcare Conference und Bio-Europe und verschafft Startups Zugang zu einem globalen Netzwerk, das individuell nicht aufzubauen wäre.
Horizon Europe — die EU-Förderebene
Für Life-Science-Startups mit ambitionierten technologischen Zielen ist Horizon Europe die bedeutendste EU-Förderquelle. Drei Instrumente sind besonders relevant:
- EIC Accelerator: Das Flaggschiff-Programm für innovationsstarke Einzelunternehmen. Fördert bis zu 2,5 Millionen Euro als Zuschuss sowie optional Eigenkapitalbeteiligungen bis 15 Millionen Euro durch den EIC Fund. Die Erfolgsquote liegt unter 5 % — der EIC Accelerator ist das kompetitivste Programm in dieser Übersicht, aber auch das kapitalintensivste. Bewerbungen sind jederzeit möglich, Hauptfristen zweimal jährlich.
- EIC Pathfinder: Richtet sich an Grundlagenforschungsprojekte mit langfristigem Innovationspotenzial. Fördervolumen bis 3 Millionen Euro, typischerweise für Konsortien aus akademischen und industriellen Partnern. Für Life-Science-Startups, die noch in der Technologiereifephase sind und akademische Partnerschaften pflegen, kann Pathfinder der richtige Einstieg in die EU-Förderung sein.
- MSCA Mobilitätsstipendien: Die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen finanzieren Forschungsaufenthalte und Personalentwicklung. Für Startups bedeutet das konkret: Sie können hochqualifizierte Nachwuchsforschende über MSCA finanzieren, ohne diese vollständig aus dem eigenen Budget zu tragen. Ein oft unterschätztes Instrument für den Aufbau von F&E-Kapazität.
Strategischer Hinweis
Österreichische Startups, die einen EIC-Accelerator-Antrag vorbereiten, sollten zuvor das Enterprise Europe Network (EEN) Austria kontaktieren. Das EEN bietet kostenlose Antragsberatung und hat langjährige Erfahrung mit der Positionierung österreichischer Kandidaten im EU-Wettbewerb.
Die Infrastrukturlücke — wo Förderung allein nicht ausreicht
Förderungen lösen ein Finanzierungsproblem — aber kein Infrastrukturproblem. Für frühe Life-Science-Startups machen Laborgeräte und Infrastrukturkosten typischerweise 30–45 % des gesamten frühen Forschungsbudgets aus. Selbst mit einer FFG-Förderung von 50 % verbleiben erhebliche Eigenanteile, die aus dem knappen Eigenkapital gedeckt werden müssen.
Die strukturelle Lösung liegt in der Kombination: FFG-Projektförderung für den personalintensiven Forschungsaufwand — und Laborgeräte-Sharing über LabWallio für den Geräteanteil. Dieser Ansatz hat zwei entscheidende Vorteile:
- Kostenreduktion: LabWallio-Sitzungen kosten typischerweise 40–60 % weniger als vergleichbare Core-Facility-Tagessätze. Das senkt den förderfähigen Eigenanteil und streckt das Gesamtbudget erheblich weiter.
- FFG-Fähigkeit: Da LabWallio projektcodierte Rechnungen ausstellt, die den FFG-Dokumentationsanforderungen entsprechen, können Gerätemieten direkt in das FFG-Projektbudget einfließen. Der Förderzuschuss reduziert also auch den Geräteteil der Projektkosten — nicht nur die Personalkosten.
Konkret bedeutet das: Ein Life-Science-Startup, das Laborgeräte über LabWallio mietet und diese Kosten korrekt im FFG-Budget ansetzt, kann seine effektiven Infrastrukturkosten um 60–70 % gegenüber dem Kauf eigener Geräte senken. Das ist kein marginaler Vorteil — es ist der Unterschied zwischen einer Runway von 12 Monaten und einer von 20 Monaten.
Praktischer Zeitplan für Förderungsanträge
Die folgende Sequenzierung hat sich in der Praxis für österreichische Life-Science-Startups bewährt:
- Monate 1–2 — aws Pre-Founding Check + FFG-Konzeptnotiz: Beginnen Sie mit dem kostenlosen aws Pre-Founding Check, um eine unabhängige Einschätzung der Förderfähigkeit zu erhalten. Parallel dazu lohnt sich ein erstes Gespräch mit der FFG — viele Programme bieten kostenlose Vorabberatungen, in denen die Eignung des Projekts für das Basisprogramm oder COIN eingeschätzt wird. In dieser Phase: LabWallio-Warteliste beitreten und ersten Gerätebedarf kartieren.
- Monate 3–6 — FFG-Einreichung mit budgetiertem Gerätezugang: Den Förderantrag ausarbeiten und dabei den Gerätezugang über LabWallio explizit als Infrastrukturposition budgetieren. Parallel INiTS-Bewerbung einreichen (Fristen beachten — typischerweise im Frühjahr) und LISAvienna-Mitgliedschaft aktivieren.
- Monate 6–8 — aws Double Equity: Wenn eine private Finanzierungsrunde ansteht oder abgeschlossen wurde, aws Double Equity beantragen, um das eingeworbene Kapital zu verdoppeln.
- Monate 9–12 — Erste FFG-Auszahlung und Projektumsetzung: Nach FFG-Genehmigung beginnt die Projektlaufzeit. LabWallio-Buchungen laufen parallel mit projektcodierten Rechnungen für die FFG-Abrechnung.
- Fortlaufend — LabWallio-Gerätemanagement und EIC-Vorbereitung: Sobald erste valide Forschungsergebnisse vorliegen, kann mit der Vorbereitung eines EIC-Accelerator-Antrags begonnen werden. Das EEN Austria begleitet diesen Prozess kostenlos.
Häufig gestellte Fragen
Für die meisten Erstgründerinnen und -gründer ist der kostenlose aws Pre-Founding Check der logische Ausgangspunkt — er dauert 72 Stunden und liefert eine ehrliche Einschätzung der Förderfähigkeit. Das FFG-Basisprogramm ist danach typischerweise der erste Förderantrag: kein akademischer Partner erforderlich, Fördervolumen 100.000–300.000 Euro realistisch. Ergänzend empfiehlt sich die Teilnahme am INiTS-Accelerator für Mentoring und Netzwerk.
Ja, mit entsprechender Dokumentation. Infrastruktur- und Zugangskosten sind unter den meisten FFG-Programmen förderfähig, sofern der Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt klar nachgewiesen wird und eine projektbezogene Rechnung vorliegt. LabWallio stellt projektcodierte Rechnungen aus, die den FFG-Dokumentationsanforderungen entsprechen. Klären Sie die Förderfähigkeit in der Konzeptnotizphase mit Ihrer FFG-Programmverantwortlichen.
Der EIC Accelerator ist deutlich größer (bis zu 2,5 Mio. Euro Zuschuss plus Eigenkapital), aber auch wesentlich wettbewerbsintensiver (unter 5 % Erfolgsquote) und verlangt einen klaren Weg zum Markt. FFG-Programme sind schneller (6–8 Monate), zugänglicher und besser für Unternehmen geeignet, die noch in der frühen Forschungsphase sind. Die optimale Strategie: FFG für Machbarkeitsnachweis und Daten nutzen, dann mit validierten Ergebnissen beim EIC Accelerator einreichen.
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